Traynor YBA 300

Dieses Thema im Forum "Tests" wurde erstellt von disssa, 30. August 2016.

  1. disssa

    disssa Alles rein subjektiv betrachtet...

    Bassix:
    ß32.799
    Der Traynor YBA300 stand lange Zeit auf meiner Wunschliste der noch anzuspielenden Bassamps. Nur leider wurden in Deutschland nur recht wenige von ihnen verkauft, bevor der Verkauf hierzulande ganz eingestellt wurde.

    Den kleineren Bruder YBA200 habe ich lange Zeit sehr gerne gespielt. "Röhrenfeeling" pur, kompakt und leicht verpackt erfüllte der 200er meine damaligen Vorstellungen meines Wunschsounds. Einzig das recht früh einsetzende Zerren störte mich, so dass ich mich irgendwann dazu entschloss den Amp wieder zu verkaufen.

    Ein YBA300 kreuzte nur einmal meinen Weg. Ich konnte ihn auch nur kurz antesten, bekam jedoch schnell den Eindruck, dass er vielleicht die bessere Alternative zum YBA200 wäre.



    Übersicht
    • Bauform: Topteil im Holzgehäuse
    • Technik: Röhre
    • Röhrenbestückung: 3x 12AX7, 1x 12AU7 in der Vorstufe, 12x 6L6 in der Endstufe
    • Endstufenleistung: 300 Watt (an 2 oder 4 Ohm)
    • Eingänge: Passiv, Aktiv, Amp In
    • Ausgänge: 2x Speaker (Klinke), PreAmp Out, Tuner Out, DI Out
    • Klangregelung: Bass, Mid, Treble, Deep, Resonance, Bright
    • Effektwege: Seriell (Preamp out/ Amp in)
    • Gewicht: ca. 23 kg
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    Konzept

    Es ist schon erstaunlich, wie kompakt der YBA300 im Vergleich zum YBA200 erscheint. Obwohl hier ein paar mehr Röhren untergebracht wurden, unterscheiden sich beide Amps hinsichtlich ihrer äußeren Abmaße lediglich in einer um 4cm gewachsenen Breite. Sogar das Gewicht legte nur geringfügig um 3kg zu. Zur Gewichtseinsparung hat man, wie schon beim YBA200, zur Stromversorgung auf einen Ringkerntrafo zurückgegriffen.

    Das stabile, aus 19 mm Sperrholz bestehende Case wurde mit strapazierfähigem Tolex bezogen, die Ecken wurden durch Blechwinkel geschützt. Beidseitig des Amps sind stabile Klappgriffe angeordnet, die den Transport ungemein erleichtert. Ebenfalls praktisch: Auf einer Stirnseite hat man ebenfalls Gummifüße platziert, so dass der Amp auch hochkant abgestellt werden kann.


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    Für den Anschluss eines Basses stehen zwei Klinkeneingänge zur Verfügung, wobei für pegelstärkere Bässe der "aktive" Eingang genutzt werden kann:


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    Im Gegensatz zum YBA200 verfügt der 300er nur über drei schaltbare Presets, während diese beim 200er tlw. noch stufenlos per Poti regelbar waren. Das "Deep"-Preset stellt die typische "EQ-Badewanne" her. Die Bässe und die Höhen werden betont, während die Mitten gleichzeitig ein wenig abgesenkt werden. Bright fügt dem Sound einen ordentlichen Schuss Höhen hinzu, während Resonance den Dämpfungsfaktor beeinflusst.


    Herzstück der Klangregelung bleibt jedoch der 3-Band EQ mit einer semiparam. MIttenregelung:

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    Ich bin großer Fan von semiparam. Mittenregelungen, stellen diese m.E. den wichtigsten Part bei der Findung meines "Wunschsounds" dar.

    Wie schon beim 200er arbeitet der EQ des YBA300 angenehm mit weitem Regelungsweg, großartige Soundunterschiede sind nicht zu erwarten.

    Auf der Vorderfront rechts befinden sich noch die satt einrastenden Kippschalter on/off und Standby. Eine Leuchte informiert über den Betriebszustand.


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    Anders als beim YBA200 bietet die Rückseite des 300er ein paar Features mehr. Kein Wunder, sind doch ein paar von ihnen auf der Rückseite des Amps platziert worden.


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    Es mag zwar nicht sooo dolle aussehen, aber ich finde es praktisch, möglichst viele Anschlüsse auf der Vorderseite eines Amps zu finden. So schätzte ich es beim YBA200 sehr, dass der DI-Out und der FX-Weg vorderseitig zu finden waren. Diese hat man beim 300er auf der Rückseite angeordnet, ebenso wie den Tuner-Out. Etwas zeitgemäßer hingegen ist neben den Klinkenausgängen die Verfügbarkeit eines Speakon-Anschlusses für die Boxen. Per Schiebeschalter kann zwischen einer Impedanz von 2 oder 4 Ohm gewählt werden. Das mag ja bei einem Amp dieser Leistungsklasse sinnig erscheinen, praktisch finde ich es jedoch nicht. Die meisten Boxen verfügen über eine Impedanz von 8 Ohm, gerne ist der geneigte Basser mit zwei von diesen Teilen unterwegs und kommt somit auf 4 Ohm. 2 Ohm wird dagegen m.E. eher selten benötigt. Dies hat Traynor bei der Konstruktion des Amps auch bedacht und bietet einen Mod an: Intern kann der Amp durch durchtrennen und umlöten einer Kabelbrücke 4-8 Ohm tauglich schaltbar gemacht werden.

    12 Endstufenröhren schreien förmlich nach teuren Service-Auftenthalten. Aber auch hier ist Traynor mit der Zeit gegangen. Der BIAS der sechs Endstufenröhrenpaare kann von außen ohne Öffnen des Amps eingestellt werden. Dazu ist nicht einmal ein Spannungsmessgerät notwendig, die korrekte Einstellung des BIAS wird jeweils durch zwei LEDs vereinfacht.


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    Blau bedeutet, dass dieser zu niedrig eingestellt ist, gelb bedeutet, dass dieser zu hoch eingestellt ist. Leuchtet keine der beiden LEDs, ist der BIAS richtig eingestellt. Ein nicht korrekt eingestellter BIAS macht sich schnell durch ein störendes Brummen bemerkbar. Eine rote LED signalisiert, dass mit dem Röhrenpaar etwas nicht stimmt. Gleichzeitig wird dieses Röhrenpaar abgeschaltet, der Amp kann jedoch mit verminderter Leistung weiter genutzt werden.



    Sound

    Ich könnte es kurz machen: Der YBA300 klingt wie der kleinere YBA200. Punkt.

    Aber: Während der YBA200 schon in niedrigeren Gain-Bereichen anfängt zu zerren, bleibt der 300er weitestgehend clean. Es ist sogar so, dass es eher schwierig ist, dem Amp Zerrlaute zu entlocken. Der Amp klingt ´ne Spur weniger "dreckig", dafür aber um einiges "wuchtiger" und viel "dicker", man spürt quasi, dass der Amp nur im "Standgas" läuft und immense Power-Reserven vorhält.

    Anders als viele andere Schwergewichts-Vollröhren neigt der Traynor tendenziell nicht zu dröhnigen Bässen. Dieser Frequenzbereich klingt ausgesprochen luftig unterstützt von relativ "weichen" Mitten. Der 200er erschien mir im Mittenbereich manchmal zu hart und kratzig, gerade dann, wenn er im cleanen Grenzbereich gefahren wurde. Beim 300er klingen die Mitten etwas verhaltener und stellen sich nicht ganz so in den Vordergrund.

    Ähnliches gilt auch für Höhen. Sie sind in ausreichendem Maße vorhanden und lassen sich bei Bedarf mit dem EQ noch ein wenig nachregeln.

    Mit dem Preset Deep wird die typische EQ-Badewanne aktiviert, welche die Bässe und Höhen leicht betont und gleichzeitig die Mitten absenkt. Dieses Preset stellt für meinen Geschmack die Bässe zu sehr in den Vordergrund. Der Sound wird zwar recht bauchig, verliert mir aber zu sehr an Durchsetzungsvermögen. Hier gefällt mir die stufenlose Regelungsmöglichkeit des 200er besser.

    Mit Bright werden die Mitten und Hochmitten betont. Der Sound wird deutlich knackiger und geht mehr "nach vorn".

    Mit dem Preset Resonance, welches beim 200er noch stufenlos regelbar war, wird der Dämpfungsfaktor verändert. Aber auch hier arbeitet dieses Preset recht subtil und (für meine Ohren) kaum wahrnehmbar.



    Fazit

    Der Traynor YBA300 stellt für mich ein durchaus gelungenes "Upgrade" zum kleineren YBA200 dar. Klanglich liegen sie ziemlich nah beieinander, unterscheiden sich jedoch in ein paar nicht ganz unerheblichen (Sound-) Details. Freunde rockiger Zerrsounds werden mit diesem Amp wahrscheinlich nicht sooo ihre Freude haben, wirklich gemütlich würde ich diesen Amp jedoch auch nicht nennen. Der Druck, den dieser Amp entwickeln kann, ist brachial und sollte von ausreichend belastbaren Boxen wiedergegeben werden.

    Schade eigentlich, dass Traynor sich auf dem deutschen Markt nicht so gut positionieren konnte. Während es die YBA200 zu einiger Bekanntheit gebracht hat, ist der 300er kaum auf den Bühnen, Probenräumen etc. zu finden. Vielleicht mag ja auch die vergleichsweise hohe Anzahl an Röhren und den damit verbundenen Folgekosten den einen oder anderen Interessenten abgeschreckt haben. Man sollte jedoch beachten, dass die hier verwendeten 6L6 günstiger als z.B. 6550 oder KT88 sind. Man benötigt 6 Paare gematchter 6L6, die zusammen ca. 180€ kosten. Werden Röhren ála 6550 oder KT88 bei Amps gleicher Leistungsklasse gwechselt, kostet dieses ebenfalls um die 180...200€.


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    Hinweis:
    Obwohl ich schon eine Vielzahl von Amps besitze bzw. besessen habe, sehe ich mich nicht unbedingt als Spezialist und meine "Reviews" sind alle höchst subjektiv und nicht von ultimativem Fachwissen begleitet. Ich schreibe einfach nur auf was mir an den Instrumenten auffällt, gefällt oder eben nicht gefällt.




     
    Zuletzt bearbeitet: 30. August 2016
    X-Ray, Ochsenblut, Herr_Winter und 35 anderen gefällt das.
  2. Willie

    Willie almost4, was soll das bloss heissen...

    Bassix:
    ß10.763
    Ich liebe deine Reviews. Super. Danke.
     
  3. Tomtom

    Tomtom Peace

    Bassix:
    ß48.900
  4. Thorben76

    Thorben76 Hier könnte ihre Werbung stehen

    Bassix:
    ß11.577
    Klasse Review.
    Aber wirklich 12 Endstufenröhren??
    Hammer
    :O!
     
  5. TheBug

    TheBug Geisteskrank mit Bass im Schrank

    Bassix:
    ß66.729
    ich finde es auch krass, im 200er sind 4 KT88, ich hätte jetzt mit 6 davon gerechnet statt den 12 6l6, irre.
     
  6. Willie

    Willie almost4, was soll das bloss heissen...

    Bassix:
    ß10.763
    Preislich ist das schon i.O. Die 6L6 sind wirklich günstiger. Und durch die durchdachte Biasschaltung braucht man immer nur ausgemessene Pärchen. Keine teuren Quartette oder in dem Fall ein duodecett. Und man kann tatsächlich auch noch spielen, selbst wenn sich ein Pärchen verabschiedet. Da es nur 1/6 der Leistung bringt, ist die Fehlanpassung dann nicht so schlimm.
     
  7. disssa

    disssa Alles rein subjektiv betrachtet...

    Bassix:
    ß32.799
    Ich hätte gedacht, dass der klangliche Unterschied zwischen den KT88 des YBA200 und den 6L6 des YBA300 größer wäre. Bis auf einem minimalen Unterschied im Mittenbereich, welcher aber auch durch den etwas anderen EQ verursacht sein kann, klingen beide Amps zumindest bis zum "mittellauten" Bereich recht ähnlich. Bei höheren Lautstärken ist der Unterschied beider Amps deutlicher zu hören...
     
  8. Willie

    Willie almost4, was soll das bloss heissen...

    Bassix:
    ß10.763
    Das ist aber eigentlich normal. Der Unterschied zwischen Kleinsignal und Großsignal. Beim Kleinsignal (rein von der Endstufe betrachtet) wirkt das ganze System recht linear, da ist die Röhre dann noch egal, weil die Nichtlinearitäten noch kaum zum Tragen kommen. Du könntest wahrscheinlich selbst eine Transistorendstufe an die Vorstufe anschließen, auch da wäre der Unterschied noch relativ klein. (Nur der Ausgangstrafo wird da zuschlagen...) IM Prinzip hörst du hier den echten Klang der Vorstufe.
    Erst wenn die Röhren den linearen Bereich verlassen, ändert sich das. Da kommen dann die rein statischen Nichtlinearitäten zum Tragen. Eben der röhrentypische Klang. und auch dynamisches Verhalten wird plötzlich relevant. (Frequenzbänder treten hervor oder werden gedämpft)
    Deswegen ist es manchmal besser, den Amp (bzw. die Endstufe) eine Nummer kleiner/größer zu wählen, weil der Klang dann doch anders ist. Trotz gleicher Vorstufe. Bestes Beispiel: HiWatt hatte da das beste Programm, eine fast identische Vorstufe und dann eben verschiedene Endstufen. mit 50W (DR50#), 100W (DR10#), 200W (DR20#), sogar mit 400W (als DR405)
     
  9. profamateur

    profamateur Artefakt und nächtlicher Graf Eckthan

    Bassix:
    ß106.142
    Hello,

    ein "für mich" sähr gelungenes Review. Super und Danke.

    P.:-):bier:
     
  10. TheBass

    TheBass Well-Known Member

    Bassix:
    ß43.895
    @disssa Guter Review. Den würde ich mir auch mal gerne anhören. Schade, dass Traynor sich niemals dazu durchringen konnte, den Preamp vom YBA200 oder YBA300 separat raus zu bringen.
     
  11. Oidbauer

    Oidbauer just a f...in bass player

    Bassix:
    ß3.924
    Guter Review. Hab schon GAS nach dem Teil.
    Wer also einen YBA200-2 oder einen YBA300 loswerden will wird gebeten sich bei mir zu melden.
     
  12. fretlenten

    fretlenten member again

    Bassix:
    ß3.263
    Moin,
    ja, tolles Review, nur das was mich am meisten interessiert ist nicht beschrieben. Am YBA fand ich den Sound schon toll aber die Parametrik hat mit gefehlt.
    Was taugt die denn am 300er?
    Die Traynor / Yorckville-Sachen waren sowieso immer total unterbewertet. Steht halt kein BWL-Marketing dahinter. Qualität alleine reicht ja nicht wirklich zum berühmt werden.
    Alsdenne
     
  13. profamateur

    profamateur Artefakt und nächtlicher Graf Eckthan

    Bassix:
    ß106.142
    +++1: Hinter dem Satz steckt mehr Verstand, als so manche Hersteller von sich behaupten können...:great::great::great::great::great::great:

    P.:-):bier:
     
  14. Rick Jetglo

    Rick Jetglo Lazy Drummer play Bass

    Bassix:
    ß3.060
    Super Review, Respekt und Dank ! Hatte den BA 200er und ihn schon nach wenigen Gigs dick:-), war nicht meine Welt. Einfach zu viele Knöppe. Bis das jedesmal alles eingestellt war ......., ständig war ich die Spaßbremse beim Soundcheck. Oft stimmte der Sound erst nach dem 3. oder 4. Song des Sets. Lag natürlich auch an der Vielzahl der gespielten Bässe, die jeder ihre eigene Einstellung brauchten. Der Röhrenwechsel machte in Sachen Vorstufenröhren auch einige Zicken. Das Teil ging mit Freude aus dem Hause und wurde durch einen Orange AD 200 ersetzt.
    Nun sind der pure Genuss und Zufriedenheit eingekehrt:-)
     
  15. fretlenten

    fretlenten member again

    Bassix:
    ß3.263
    Natürlich. Der Verstärker ist, genau wie der Bass, Teil des Sounds.
    Wenn hinten alles gleich klingt (klingen soll) muss ich vorne doch auch nichts anderes reinschicken :gruebel:.
    Oder hab ich da was nicht verstanden....
     
  16. Rick Jetglo

    Rick Jetglo Lazy Drummer play Bass

    Bassix:
    ß3.060
    Einen Rickenbacker über dieselbe Anlage mit gleich bleibender Einstellung klingt anders als ein Fender, als ein Gibson Les Paul, als ein ........ Wenn du nur einen einzigen Bass spielst - kein Thema.
     
  17. fretlenten

    fretlenten member again

    Bassix:
    ß3.263
    Genau so hab ich das verstanden. Ich seh bloß gerade das Problem nicht oder sollten die jetzt zwar schon unterschiedlich klingen - nur noch unterschiedlicher als es mit dem Setting möglich war?
     
    Ray Mahogany gefällt das.
  18. Basseman3

    Basseman3 Was nicht basst wird bassend gemacht.....

    Bassix:
    ß9.821
    Tolles Review, toller Amp, bester Dank!

    Sehr schade, das Traynor aktuell keinen Vertrieb mehr in unseren Breiten hat!

    Die Kanadier machen nämlich gute Amps (und Leute wie Godin und Dingwall machen super Bässe)!
     
  19. sparton

    sparton Member

    Bassix:
    ß1.364
    Ich verkaufe gerade meinen YBA-200,Interesse?
     
  20. Oidbauer

    Oidbauer just a f...in bass player

    Bassix:
    ß3.924
    Hi, hast ne PN.
     

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