Ampeg PortaFlex PF-20T

Dieses Thema im Forum "Tests" wurde erstellt von disssa, 5. November 2016.

  1. disssa

    disssa Alles rein subjektiv betrachtet...

    Bassix:
    ß32.361
    Nachdem ich jetzt schon längere Zeit den Ampeg PF-50T spiele, wurde ich neugierig auf den kleineren Vertreter, auf den PF-20T.
    Mein Eindruck zum PF-50T im direkten Vergleich zum B15N war, dass man zwar grob in die gleiche Richtung ging, das Ziel jedoch nicht ganz erreichte. Mir fehlte dieser typische weiche und trotzdem satt definierte Basston, den die alten Kisten so tadellos veranstalten können.
    Der PF-20T ist ein wenig anders "gestrickt" als der leistungsstärkere Bruder, vielleicht stellt er die bessere Lösung auf der Suche nach meinem Wunschsound dar.


    Übersicht

    • Bauform: Topteil im Metallgehäuse
    • Technik: Röhre
    • Röhrenbestückung: 2 x 12AX7, 2 x 6V6
    • Leistung: 20 Watt (4 oder 8 Ohm)
    • Maße: 33 x 19 x 26 cm BHT
    • Gewicht: 7 kg
    • Klangregelung: 3 Band EQ

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    Konzept

    Das Aussehen des PF-20T erinnert mit seinem Metallchassis und den aufgesetzten Trafos sowie den durch einen Käfig geschützten Röhren stark an das etwas klobig und kantig wirkende Äußere des B15N. Eine gelungene Reminiszenz an das große Vorbild!
    Mit knappen 20 Watt Ausgangsleistung wird dieser Amp wohl eher "stationär" eingesetzt, als dass er zur Beschallung von Gigs genutzt wird. Daher hat man wohl auch auf sämtliche Transport-erleichternde Griffe verzichtet.

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    Das Gehäuse ist schwarz-matt lackiert und ist dabei besonders empfänglich für Fingerabdrücke, die schnell nach wenigen Handgriffen den Amp zieren.

    Die Verarbeitung des Amps ist vorbildlich: Dickes Stahlblech, passend und ohne übermäßig große Spaltmaße verarbeitet, wurde für das Metallchassis verwendet. Die Potis laufen weich und mit angenehmen Widerstand.
    Die im Vergleich zum PF-50T etwas kleiner dimensionierten Trafos sind wahrscheinlich für eine Verringerung des Gewichts verantwortlich. Wiegt der PF-50T noch knappe 9 kg, so sind es hier nur noch knappe 7 kg.

    Anders als beim B15N setzt man heutzutage auf Platinen:

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    Lediglich die weiße Beschriftung der Potis auf der polierten Blende ist schwer ablesbar. M.E. fällt dies aber nicht sooo ins Gewicht, handelt es sich doch um eine recht überschaubare Anzahl von Bedienelementen:

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    Zum Anschluss des Basses steht ein Klinkeneingang zur Verfügung. Die Eingangsempfindlichkeit wird mit Gain, die Gesamtlautstärke mit Volume geregelt.

    Anders als man es sonst von Amps aus dem Hause Ampeg gewohnt ist, steht zur Klangregelung "nur" ein Dreiband-Equalizer (Bass 50 Hz, Mitten 550 Hz, Höhen 4 kHz) ohne die sonst übliche Midrange-Regelung zur Verfügung. Ebenso wird man die schaltbaren Presets für Ultra-Lo und Ultra-Hi suchen, denn auch die stehen beim PF-20T nicht zur Verfügung.

    Die Rückseite des Kleinen ist identisch mit der des Großen:

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    Zum Anschluss einer Box wird ein Klinkenanschluss genutzt. Die verwendete Impedanz kann mit einem versenkt angeordneten Schiebschalter zwischen 4 und 8 Ohm gewählt werden.

    Was bei anderen Röhrenamps schnell zum Defekt führen kann, ist hier möglich: Wird keine Box angeschlossen, wird der Ausgang auf einen Lastwiderstand geschaltet, so dass der Amp keinen Schaden nimmt. So kann man den Kleinen auch als Preamp nutzen.
    Dazu bietet der PF-20T gleich zwei DI-Outs. Der Preamp Out kann per Taster pre/post Equalizer gelegt werden.
    Interessanter finde ich den Transformer Balanced Line Out, welcher post AÜ gelegt wurde. Dieses Ausgangssignal klingt deutlich komprimiert und dadurch stimmig "weich" und typisch "röhrig".

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    Ein weiteres interessantes Detail ist die Möglichkeit, den Ruhestrom der Röhren selbst einstellen zu können, ohne gefährlich hohen Strömen ausgesetzt zu werden. Mittels eines Trimmpotis und zweier LEDs kann der BIAS von außen schnell, sicher und ohne großartige Fachkenntnisse eingestellt werden.


    Sound

    Nach dem Einschalten des Amps signalisiert eine rot leuchtende LED-Bar, dass man sich im Standby-Modus befindet. Schaltet man den Amp per rückseitig angeordnetem Wippschalter aus dem Standby, ändert diese LED-Bar ihre Farbe in violett: Es kann los gehen!

    Klanglich überrascht mich der PF-20T ein wenig. Er klingt in EQ-Neutralstellung anders als der leistungsstärkere PF-50T. Ein fett klingender Basston, gemischt mit ´ner ordentlichen Portion Mitten mit einer leichten Prise Höhen ertönt aus der angeschlossenen Box. Man könnte meinen, dass das bekannte Ultra-Lo Preset (also ein Badewannen EQ) aktiviert ist.
    Der Equalizer bietet weite Regelwege, alle Regler greifen gut in das Klangverhalten ein. Erstaunlich finde ich die Vielseitigkeit, die diese einfache Klangregelung bietet. Von bassig-mumpfig bis drahtig-schrill ist alles möglich. Aber selbst bei extremen Einstellungen bleibt der Ton satt und definiert.

    Der Amp ist trotz seiner vergleichsweise geringen Leistung von gerade mal 20 Watt erstaunlich laut. Die Leistungsgrenze und somit der leicht crunchige Bereich ist schnell erreicht. Aber anders als beim PF-50T klingen diese leicht angezerrten Sounds jedoch deutlich harmonischer und weicher. Richtige Distortionsounds sind nicht möglich, der Sound geht bei höheren Gain- bzw. Masterstellungen deutlich in die Breite und verliert ordentlich an Durchsetzungsvermögen.
    Der PF-20T spielt seine klanglichen Stärken bereits schon bei sehr geringen Lautstärken aus. Wo man so manchen Röhrenamp erst an seine (Gehör-) Schmerzgrenze treiben muss, klingt der kleine Ampeg bereits bei angenehmer Wohnzimmerlautstärke erstaunlich gut und nach fett klingender Röhrenendstufe.

    Sehr schön finde ich den Klang des Transformer Balanced Line Out. Dieser bietet einen deutlich röhrig eingefärbten und leicht komprimierten Sound, welcher den Einsatz eines richtig dicken Vollröhrenboliden vortäuscht.

    Den Vergleich mit einem B15N hält der Ampeg PF-20T m.E. besser. Er klingt deutlich mehr nach diesem alten Vorbild. Er klingt zwar ein wenig direkter und kantiger, erinnert jedoch stark an den Sound der alten Kisten.


    Fazit

    Während der leistungsstärkere Ampeg PF-50T auch noch für Probenraumeinsätze gemütlicher Kapellen geeignet ist, kommt der PF-20T schnell an seine Leistungsgrenzen. M.E. ist er mehr für den Recordingeinsatz oder als Nobel-Übungsamp geeignet. Dafür entschädigt er mit einem Sound, der vergleichsweise mehr in Richtung des alten Vorbilds B15N geht.
     
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  2. lemBass

    lemBass ... basst im dunkeln

    Bassix:
    ß6.196
    Alle guten Dinge sind drei: :great:
    :hat:
     
  3. LaFaro

    LaFaro Back to Bass

    Bassix:
    ß2.860
    :great:
    Zusatzfrage....hast Du das Teil auch mal mit einer Gitarre probiert? :-)
     
  4. Funbasser

    Funbasser ambitionierter Tiefton Gestalter

    Bassix:
    ß14.602
    Ja.....Die hatte vier Saiten....:evil:
     
    Herr Karl und Chuck gefällt das.
  5. X-Ray

    X-Ray Psyndie-Slowfunker

    Bassix:
    ß3.821
    Das Ding hat keinen Lüfter, oder ist der perfekt versteckt ?

    Danke, schönes Review und tolle Bilder.
     
  6. Funbasser

    Funbasser ambitionierter Tiefton Gestalter

    Bassix:
    ß14.602
    Nein hat keinen Lüfter!
     
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  7. LaFaro

    LaFaro Back to Bass

    Bassix:
    ß2.860
    ach so eine Spargitarre.....:o)
     
  8. keziahj

    keziahj LEJJ

    Bassix:
    ß14.245
    Super - vielen Dank. Solch passionierter Text sich sehr angenehm lesen lässt. Irgendwie inspiriert der sogar! :-)
     
  9. Tonberry

    Tonberry no͡͏is͏e̵ ̴i̢s̨ ̀l̶̵ì͢f̡̀e͝

    Bassix:
    ß4.175
    Ich glaube die Griffe fehlen eher weil er ja eigentlich zur Befestigung an den Portaflex 210ern mit Flip-Top gedacht ist.
     
  10. funky.B.A.S.S.

    funky.B.A.S.S. Member

    Bassix:
    ß3.972
    wie mag der mit einem Kontrabass klingen?
     
  11. f_luxus

    f_luxus Hauptsache es basst im Handgepäck...

    Bassix:
    ß23.341
    Jedenfalls alles andere als akustisch...
     
  12. Basseman3

    Basseman3 Was nicht basst wird bassend gemacht.....

    Bassix:
    ß9.791
    Hallo,

    Schöner Testbericht. Leider macht er den Amp optisch nicht schöner für mich (persönlich).
     
  13. X-Ray

    X-Ray Psyndie-Slowfunker

    Bassix:
    ß3.821
    Ja, den Amp kann man sich offensichtlich nicht schönlesen. Verbliebe noch die Option, ihn sich schönzutrinken.

    Ich persönlich finde ihn optisch durchaus reizvoll. Mal was ganz anderes als die gewohnten Formen :bier:
     
  14. Ray Mahogany

    Ray Mahogany Resilienter Patient

    Bassix:
    ß149.135
    Denn pack doch nen selbstgezimmerten Deckel druff ;-)
     
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  15. Funbasser

    Funbasser ambitionierter Tiefton Gestalter

    Bassix:
    ß14.602
    Ich mag den Amp optisch sehr!
     
    Bassone und f_luxus gefällt das.
  16. f_luxus

    f_luxus Hauptsache es basst im Handgepäck...

    Bassix:
    ß23.341
    Ich find das Design auch alles andere als hässlich. Wenigstens haben die sich mal was getraut.
     
    Funbasser, Ray Mahogany und claudio gefällt das.
  17. disssa

    disssa Alles rein subjektiv betrachtet...

    Bassix:
    ß32.361
    Na ja, Geschmäcker sind halt verschieden. Aber würde es rein nach der Optik gehen, würde es heute ein paar Klassiker (wie z.B. diese oberhässlichen Orange-Kisten oder diese GK-Schuhkartons) weniger geben.
    Klingen sollen sie! :-)
     
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  18. lemBass

    lemBass ... basst im dunkeln

    Bassix:
    ß6.196
    Ich mag ja die GK Schuhkartons! Auch optisch! Irgendwie klassisch schlicht und zeitlos ...

    Richtig so!
    (auch das tun die GKs für den ein oder anderen... [¦)])
     
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  19. f_luxus

    f_luxus Hauptsache es basst im Handgepäck...

    Bassix:
    ß23.341
    Die finde ich z.B. abartig hässlich.
     
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  20. BoogieCaster

    BoogieCaster Urlauber

    Bassix:
    ß20.108
    Mich stört neben dem Äusseren -das Ding wär bei mir schnell in einem schicken Gehäuse verbaut- der Inhalt deutlich mehr.

    Für Platinenchinesisch find ich die Teile deutlich zu teuer.
     

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