Bassic: Hallo Markus. Ihr, reimer|setzer, habt eine neue CD veröffentlicht. Bist du zufrieden, gibt's da eine Geschichte oder eine Entwicklung dahinter?
Aktion für Members
Die
neue CD "together" kann man direkt auf der
Website von reimer|setzer
bestellen. Bassic-Members kriegen die CD für EUR 12+Versand (Normalpreis EUR 15) bei Angaben des Membernamens im "phone/mobil"-Feld.
Markus Setzer: Bei uns haben sich die Diktiergerät-Cassetten mit Song-Fragmenten, Texten und Melodien gehäuft. Wir haben lange hin und her überlegt, was wir mit dem vorhandenen Material anstellen sollen. Sessions gespielt mit Percussionisten, Drummern usw. Wir waren ein wenig unsicher, ob wir die Musik mit Band spielen sollten. Dann sind wir aber zu unserem Duo-Konzept zurück gekehrt. Und darüber bin ich jetzt ganz froh.
Ich glaube, unsere neue CD "together" ist die beste und ausgereifteste die wir bisher gemacht haben. Aber das denkt wohl jeder Künstler von seiner neusten CD :-) Zum ersten Mal kann ich die CD einlegen und in Ruhe hören. Sonst bin ich immer wahnsinnig geworden und konnte meine eigenen Sachen nicht ausstehen. Das war nie auszuhalten. Ein ganz wichtiger neuer Mosaikstein sind sicherlich die deutschen Texte. Unser Konzept mit Bass und Stimme ist ja sowieso schon sehr reduziert. Aber durch die deutschen Texte wird es für mich noch klarer und es wird mehr transportiert. Ich musste Sabine lange überreden, ihre Texte auch für unsere Musik zu benutzen. Sie hatte ein wenig Angst, sich zu entblößen. Aber mittlerweile finden wir es beide gut. Die deutschen Songs haben wir auch lange live getestet. Das ist wohl der zweite große Unterschied zu den anderen CD´s. Es sind zwar zwei Jahre vergangen seit unserer letzten CD, aber dafür hatten wir die Gelegenheit, alle neuen Songs live wachsen zu lassen. Du spielst auf der Bühne einfach anders als im Proberaum. Es ist schon sehr interessant, wie die Songs sich mit der Zeit wandeln. Wir nehmen jedes Konzert und jede Probe auf. Wenn man sich dann eine Aufnahme von vor einem Jahr anhört, ist das schon sehr aufschlussreich. Sowieso lege ich auf die Aufnahmen großen Wert, da hört man sofort, wo man was noch üben muss.
Bassic: Wie gehst du dann damit um? Wie übst du?
Dann kommt es manchmal vor, dass mich eine Melodie oder eine Akkord-Struktur anfliegt. Ich habe echt keine Ahnung warum oder woher.
Markus Setzer: Das ist relativ einfach. Ich muss aber trotzdem etwas ausholen. Bei mir geht das meistens so ab, dass ich morgens mit Jule aufstehe und sie zur Schule bringe. Dann ist es acht Uhr wenn ich wiederkomme und ich habe den ganzen Morgen noch vor mir. Dann setze ich mich mit einem Bass hin und spiele irgend etwas. Ich groove einfach so rum und improvisiere, um ein bisschen warm zu werden. Dann kommt es manchmal vor, dass mich eine Melodie oder eine Akkord-Struktur anfliegt. Ich habe echt keine Ahnung warum oder woher. Sie entwickelt sich beim Spielen und ist einfach da. Wenn ich wüsste woher sie kommt, würde ich sofort da hingehen. Dann habe ich also diesen Groove und habe meistens sofort im Kopf, wie es komplett klingen soll. Also Harmonien, Rhythmus, Sounds, Songstruktur. Und dann habe ich ein Problem, aber auch gleichzeitig eine Herausforderung. Wie bekomme ich diese Struktur, die ja normalerweise unter den Band-Mitgleidern aufgeteilt wird, mit nur einem Bass hin? So entstehen dann diese vermeintlich komplizierten Sachen, die ich auf meinem Bass spiele und echt lange üben muss, bis es richtig gut klingt. Meine Technik und das was ich auf dem Bass mache, ist sozusagen nur Mittel zum Zweck, um den Song so klingen zu lassen, wie ich es im Kopf habe.
Das Üben hat sich mit der Zeit verändert. Früher habe ich stundenlang geübt und habe erst dann aufgehört, wenn ich eingeschlafen bin, oder vor Hunger gestorben bin. Da war das Üben aber anders konzeptioniert. Ich habe geübt, weil ich toll Tappen, Slapen oder über einen Jazz-Blues improvisieren wollte. Heute übe ich, weil ich einen Song im Kopf habe und ihn irgendwie auf meinem Instrument umsetzen will. Dann nehme ich mir meine Loop Station, spiele es rein und höre es mir an. Das ist total klasse, weil ich nur auf ein Knöpfchen drücken muss und das Gespielte sofort im Loop wiederholen kann. So höre ich mit Abstand, wie es klingt und höre vor allem auch wie scheiße es gespielt ist :-) Dann überlege ich mir zu den bestimmten Motiven, die nicht klingen, Übungen.
Bassic: Wie geht das ab? Erklär mal.
Markus Setzer: OK. Ein Beispiel: "time" von unserem neuen Album ist ein Groove, den ich mit der Double-Thumb-Technik spiele. Ich wollte eine pumpende Bass-Figur erzeugen und das hat mit dieser Technik, wie ich fand, am besten geklungen. Also schneide ich mir diesen Groove in kleine Teile und übe sie einzeln. Nachher setze ich sie wieder Stück für Stück zusammen. So wie kleine Kinder lesen lernen. Aus dem gelernten Buchstaben A, U, T und O wird nach und nach AUTO. Nachher beim Spielen denke ich aber über die einzelnen Buchstaben nicht mehr nach. Da sehe ich eher den Kontext. Überleg mal selbst: Wenn du ein Wort liest, sind deine Augen schon am Satzende. Du liest sozusagen vor. Wenn es ganz schwierig ist, baue ich mir Übungen, die auf eine ganz bestimmte Koordination abgestimmt ist, die ich bei einem bestimmten Bewegungsablauf brauche.
Bassic: Hast du noch ein Beispiel?
Markus Setzer: Ja. In demselben Song gibt es einen höllisch schnellen Pentatonik-Abgang. Auch mit Double-Thumbs. Der hat am Anfang gar nicht geklappt. Also analysiere ich woraus er besteht. Erstens Tonmaterial, zweitens Rhythmus, usw. Dann nehme ich mir also kleine Figuren, die auch pentatonisch sind, wobei ich dieselben Finger gebrauche und baue mir meine Übungen. Und ganz wichtig: Wenn du das Ding nachher schnell spielen willst, musst du es auch schnell üben.
Bassic: Was heisst das genau?
Markus Setzer: D.h. wenn dir die Koordination klar ist, also der Bewegungsablauf, dann solltest du die Übung auch gleich schnell ausführen. Immer im Groove, mit einer kleinen Pause dazwischen zum überlegen und reflektieren. Denn wenn du schnell übst weiß dein Gehirn: "Aha, der will das nachher schnell können" und speichert diesen Bewegungsablauf im Speicherzentrum für abgeschossene Bewegungen ab. So etwas sollte man wissen. Wenn du immer nur langsam übst, wird es auch langsam abgespeichert.
Bassic: Hast du Tipps für Bassisten, die schon länger in Bands spielen, aber mit ihrem Spiel unzufrieden sind, weil sie stagnieren und sich im Kreise drehen?
Plötzlich werden Mauern eingerissen und es geht zu neuen Ufern.
Markus Setzer: Das ist die Mehrzahl derer, die zu mir in den Unterricht kommen oder zu Workshops und meist ein wenig älter sind. Ich sage mal so ab 30. Und weißt du was das Witzige ist? Viele von ihnen haben wissen wenig bzw. auch nichts von Harmonielehre und Skalen. Sie kommen zu mir und zeigen mir, wie sie meistens spielen. Das ist in 99,9% der Fälle Moll-Pentatonik. Sie sagen dann, dass sie aber auch mal so klingen wollen wie xy. Das ist so cool. Und dann spielen sie mir eine Jazz oder Funk-CD vor, wo einer modal abfiedelt. Das ist dann natürlich nur möglich, mit harmonischem Background.
Stagnation passiert meiner Meinung nach immer dann, wenn man nicht bereit ist, dahin zu gehen, wo es unangenehm wird. Sich mit Sounds auseinander zu setzen, sich Sachen raus zuhören, die man cool findet, auch wenn es unangenehm wird und mal dauert. Diese Leute sind Jahre lang in der Band mit ihrem Repertoire klar gekommen. Und irgendwann kommt dann der Punkt, wo es anfängt langweilig zu werden. Meine Devise ist immer: NO PAIN, NO GAIN! Toll ist es dann, wenn ich demjenigen eröffne, wie man so klingen kann. So nach dem Motto: Spiel mal mit den und den Tönen rum. Und der Schüler merkt, dass es plötzlich ganz anders klingt. Plötzlich werden dann Mauern eingerissen und es geht zu neuen Ufern. Solche Momente liebe ich beim Unterrichten. Die sind richtig klasse.
Bassic: Lebst du vom Bass unterrichten und spielen oder wie setzt sich deine Arbeit zusammen?
Markus Setzer: Ich bin nur Bassist. Mache also keinen Job nebenher. Ich habe aber schon immer Wert darauf gelegt, auf mehreren Beinen zu stehen. Dabei ist der Privat- Unterricht, den ich seit mittlerweile 18 Jahren gebe, eine feste Konstante. Früher habe ich noch bei uns/mir zu Hause unterrichtet. Ich genieße es aber durchaus, dass wir jetzt einen Raum haben und die Arbeit ausgegliedert haben. Dort unterrichten Sabine und ich, wir proben dort und auch zum Üben ist das ein schöner ruhiger Platz. Dann schreibe ich ja noch Artikel und Workshops für Gitarre&Bass, es gibt das Duo, welches ja auch aus mehreren Bereichen besteht. Konzerte, CD-Verkauf und ab und an spielen wir auch auf Events. So als Art Special-Guest auf Firmenfeiern oder Präsentationen. Da gucken wir aber gut, ob das auch zu uns passt. Hin und wieder habe ich dann noch in verschiedenen Studios zu tun oder begleite Künstler.
Bassic: Auf deiner Website und auch auf den Photos zur neuen CD sieht man den "Bass mit dem Loch drin". Was ist das für einer?
Markus Setzer: Das ist auch so eine Geschichte. Die letzte CD "The Inner Light" habe ich ja vorwiegend mit meinem Sieben-Saiter eingespielt. Der Sieben-Saiter war so konzipiert, dass die Musik möglichst durchsichtig und transparent klingen sollte. Mir kam es darauf an, auch bei abgefahrenen Akkorden jeden einzelnen Ton sauber schwingen zu hören. Diesen Weg habe ich auf "together" verlassen.
Der Loch-Bass ist ein Sharkey-Single-Cut und das ist seine Geschichte: Ich hatte mal einen 74´Jazz-Bass. Der war eigentlich klasse. Doch hatte er für meine Art Bass zu spielen zwei Saiten zu wenig. Dann habe ich mit Magnus überlegt, wie man den Bass mit sechs Saiten und 24 Bünden nachbauen kann. Natürlich kann man einen Bass nicht nachbauen, aber der Charakter sollte in diese Richtung gehen. Mit einem Aufnahmegerät im Gepäck haben wir dann in seiner Werkstatt die Form des neuen Basses gesucht. Wir hatten ein großes Stück Holz, welches weit mit dem Hals, bis zum 12.Bund verschraubt war, um eine gewisse Steifheit des Halses zu garantieren. Dann haben wir daran herum gesägt und gebohrt. Nach jeder Veränderung habe ich kurz Aufnahmen gemacht. Am Ende habe wir uns die MD angehört und die Form, die du jetzt auf den Bildern siehst, hat am besten geklungen. Das ist dann der Sharkey SC geworden. Ich habe die gesamte CD mit nur diesem einen Bass eingespielt. Auch die Music-Man-Sounds kommen von diesem Bass. Reinhard von Delano hat mir dann nach meinen Vorstellungen die Tonabnehmer gemacht. Der Bass ist zwar nicht gerade hübsch geworden, aber ich habe mich daran gewöhnt. Und vor allem zählt für mich, dass mein Instrument toll klingt, ausgewogen und flexibel und 1A zu bespielen ist!
Bassic: Vielen Dank für deine Antworten und viel Erfolg mit eurer Musik und der neuen CD.
Markus Setzer: Ich danke dir. Schön, dass es bassic.ch gibt. Für mich die wichtigste deutschsprachige Plattform für Bassisten im Netz. Auch dir weiterhin viel Erfolg damit.
Hier geht's zum Bassic-Memberprofil von Markus Setzer.