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Bassic

Interview: Adrian Kuban-Maruszczyk

Bassic: Was ich dich schon immer fragen wollte, bist du Pole oder Deutscher, ich habe schon verschiedene Versionen gehört?

Adrian Maruszczyk: Ich bin als Deutscher in Polen geboren, das hängt noch mit den Wirren des 2.Weltkrieges zusammen. Ein Schlesier wie zwei Stürmer der Deutschen Fußballnationalmannschaft, sie kommen aus der selben Gegend wie ich. 1981 bin ich nach Deutschland geflüchtet. Es spielt aber keine Rolle für mich wie man mich bezeichnet. Ich sehe mich als eine Art Bindeglied zwischen den beiden Völkern. Wer könnte das besser als jemand mit meiner Geschichte. Wenn es jedoch um Musik geht, bin ich ein absoluter Kosmopolit. Durch mein Studium in Holland und die Arbeit mit Musikern aus verschiedenen Teilen der Erde, gibt es für mich keine Grenzen.

Bassic: Wie hast du angefangen, war der Bass dein Wunschinstrument?

Alle Instrumente waren schon mehrfach besetzt, nur die Bassgitarre war noch frei.

Adrian Maruszczyk: 15-Jährig in einem kommunistischen Kulturhaus habe ich angefangen Musik zu machen. Alle Instrumente waren schon mehrfach besetzt, nur die Bassgitarre war noch frei. Mehr aus Langeweile, um einfach dabei zu sein bin ich Bassist geworden... Aber ich glaube ich hatte Glück, zur richtigen Zeit am richtigem Ort gewesen zu sein.

Bassic: Wann hast du gemerkt das es daraus mehr werden könnte, dass du Bassspielen zu deinem Beruf machen könntest?

Adrian Maruszczyk: Nachdem ich nach Deutschland gekommen bin, spielte ich in vielen verschiedenen Bands und Projekten sehr unterschiedliche Musik. Von Heavy Metal bis Free Jazz, wodurch ich sehr viel Erfahrung gesammelt habe. Und als ich 1988 die Aufnahmeprüfung am Konservatorium Maastricht geschafft habe, war mir klar das ich von Musik leben könnte.

Bassic: Du spielst nicht nur Bass, sondern betreibst auch ein Studio und bist auch als Produzent tätig.

Adrian Maruszczyk: Während des Studiums und danach arbeitete ich viele Jahre als Bassist. Im Jahr 2000, nachdem ich zum 3.mal Vater geworden bin, wollte ich mehr Stabilität und nicht mehr soviel unterwegs zu sein. Zwei Jahre davor kaufte ich ein altes Anwesen bei Aachen wo ich Teil der Gebäude in ein Studio umgebaut habe. Vor allem arbeite ich dort an meinen Aufnahmen, aber auch mit anderen Musikern. Unter anderem haben auch Musiker der Carlos Santana Band dort aufgenommen.

Bassic: Kannst du etwas mehr über deine Musik erzählen?

Adrian Maruszczyk: Bis jetzt habe ich 2 CDs veröffentlicht. 2002 „Silesian Blues“ und 2004 in Duo mit Matthias Philipzen „Esperanto“. Im August dieses Jahres werde ich die dritte CD mit meiner Band GADU GADU aufnehmen.

Bassic: Nur in Duo? Bass und Drums?

Adrian Maruszczyk: Mit der Zeit änderte sich mein Bassspiel so extrem, dass ich in meinen Kompositionen von typischem Bassspiel weggegangen bin und benutze das Instrument sehr solistisch, vor allem durch mehrstimmige Harmonisation. Matthias ist auch kein typischer Drummer, er benutzt sehr ausgebautes Instrumentarium, das mit meinem Spiel sehr gut harmoniert.

Bassic: Könntest du etwas mehr über deine Art zu Komponieren und Arrangieren erzählen?

Ich brauche nur Nachts die Augen zu schließen und auf einmal höre ich alles, ein wunderbares Orchester

Adrian Maruszczyk: Mit dem Komponieren ist das so eine Sache, ich benutze keine Instrumente dazu. Es ist einfach da, im Kopf, ich muss es nur aufschreiben oder aufnehmen damit es nicht verloren geht. Früher habe ich mit einem Instrument gesessen und versucht mir etwas auszudenken. Mit dem Ergebnis war ich nie zufrieden und es ging sehr viel Zeit drauf. Heute vertraue ich sagen wir auf Gott, dass er mir eine Melodie schon schicken wird, ich brauche nur Nachts die Augen zu schließen und auf einmal höre ich alles, ein wunderbares Orchester. Meistens mehr als ich es schaffe zu behalten und aufzuschreiben. Größtenteils lasse ich alles so wie ich es bekommen habe, ich ändere nichts. Das Arrangieren für Bass ist schon etwas aufwändiger, nicht alles geht und manchmal muss man mehrere Sachen ausprobieren bis es klingt. Manchmal dauert es Jahre bis ich es weiß wie ich es alleine auf dem Bass spielen soll. Mit der Band geht es viel schneller. Ich lasse meinen Musikern sehr viel Freiraum, nur das Thema ist vorgegeben, alles andere ergibt sich von alleine, vorausgesetzt die Musiker sind wach und mutig. Ich mag keine Proben, das kostet nur Energie. Manche Kompositionen fange ich live einfach alleine an zu spielen, und warte ab, wer was dazu zu sagen hat, ohne es vorher geprobt zu haben. Die CD, die im Herbst mit GADU GADU erscheint, wird einige Stücke beinhalten, die auf „Esperanto“ sind. Man wird den Unterschied zwischen Band und Basssolo deutlich hören.

Bassic: Bassist, Komponist, Produzent, aber auch Lehrer, soweit ich informiert bin, publizierst du Workshops in internationaler Fachpresse.

Adrian Maruszczyk: Ja, mein Workshop „Bass als Soloinstrument“ wurde in niederländischem „Bass Magazine“, wird in deutschem „Bass Professor“ und in polnischer „Top Guitar“ veröffentlicht. Im Moment arbeite ich an einem Buch und eine DVD die sich mit dieser Thematik befassen wird. Und natürlich der Unterricht hier bei „Bassic.ch“, ich habe 80 Lektionen vorbereitet, so das jeder etwas mitnehmen kann.

Bassic: Dann gibt es noch die Sache mit dem Vertrieb und deinen Bässen, erzähl mal.

Adrian Maruszczyk: Seit ca. 2 Jahren vertreibe ich einige polnische Produkte, wie die Effekte von Exar, Gigbags von Canto und Bässe von GMR. Das sind alles bewährte Firmen, deren Produkte keinen Vergleich zu scheuen brauchen mit westlichen Produkten. Wir arbeiten sehr intensiv an der Entwicklung und Verbesserung der Produkte. Gerade sind wir mit Exar mit der Entwicklung des Oktavers fertig geworden. Seit ca. einem halben Jahr gibt es Bässe die mit meinem Namen signiert sind. Mit den Jahren haben sich einige Ideen eingesammelt, die ich dann in diesen Instrumenten umgesetzt habe und weiter umsetzen werde. Durch das Verbinden von westlicher Technologie und Innovation mit kostengünstiger aber hochwertiger Handarbeit polnischer Instrumentenbauer und meiner Bass-Erfahrung, ist es möglich, Produkte zu schaffen, die sehr gut angenommen werden und nach so kurzer Zeit großes Interesse wecken.

Bassic: Was würdest du jungen Bassisten raten, was ist wichtig deiner Meinung nach ein guter Bassist zu werden?

Adrian Maruszczyk: Sich nicht nur mit dem Bass beschäftigen, sondern mit Musik allgemein. Andere Bassisten hören und vergleichen, aber nicht zuviel kopieren. Das was einem gefällt mitnehmen aber versuchen auf eigene Weise zu benutzen. Einen langen Atem haben, es dauert manchmal sehr lange bis es wird. Wie mein Freund Wojtek Pilichowski immer sagt: 10 Jahre à 10 Stunden täglich, denn ohne Arbeit wird das größte Talent verkümmern.

Bassic: Als letztes noch, du bist sehr beschäftigt, was sind deine Zukunftspläne?

Adrian Maruszczyk: Weiterer Umbau des Hofes. Möchte noch dieses Jahr meinen Showroom soweit erweitern, dass ständig 100 Instrumente vor Ort sind. Weiter einen größeren Raum für Workshops und Aufnahmen erschließen. Musikalisch natürlich viel mit GADU GADU spielen, aus dieser Band fließt soviel Energie, die man für sich nutzen kann, wie ich es schon lange nicht mehr erlebt habe.

Bassic: Vielen Dank für das Gespräch

Adrian Maruszczyk: Ich habe zu danken und alles Gute für die Zukunft.